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25 Jahre TraumaRegister DGU

07.08.2019

Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des TraumaRegister DGU® fand vom 14. bis 15. Juni 2019 ein internationales Traumaregistertreffen in München statt. Unter dem Motto „Learning from friends“ waren Vertreter weltweit führender Schwerverletztenregister zugegen, um gemeinsam Erfahrungen auszutauschen und neue Ziele zu entwickeln.

Neben den deutschen Repräsentanten war ein internationaler Teilnehmerkreis, vorwiegend aus Europa, aber auch aus den USA, Kanada und Australien geladen. Nachdem sich die einzelnen Register im Rahmen von Kurzvorträgen und anschließender Posterpräsentation vorgestellt hatten, schlossen sich vertiefende Vorträge zu aktuellen Themen und Herausforderungen an, mit denen sich die Traumaregister derzeit konfrontiert sehen.

 

Internationale Kooperation

Ein zentrales Thema war die Kooperation der Register untereinander, die erstmals vor gut 10 Jahren mit der Entwicklung des gemeinsamen europäischen Utstein Kerndatensatzes aufgegriffen wurde. Damit verschiedene Traumasysteme miteinander verglichen werden können, sind einheitliche, standardisierte Daten erforderlich. Die Register der einzelnen Länder sind jedoch teilweise sehr unterschiedlich. So können sie in der Datenqualität erheblich voneinander abweichen oder verwenden unterschiedliche Einschlusskriterien und verschiedene Variablen und AIS-Versionen. Auch länderspezifische Gegebenheiten wie Demographie, Populationsdichte und Straßensicherheit oder die Beschaffenheit der Krankentransportwege sowie die Verfügbarkeit und Art der Rettungsfahrzeuge fallen ins Gewicht. Ebenso spielen Unterschiede bei den Krankenhausinterna wie der Ausstattung des Traumazentrums, der Schulung des Personals oder den Voraussetzungen für die Verlegung auf Intensiv mit hinein.

Outcome-Messung

Neben einem standardisierten Kerndatensatz ist auch eine Anpassung bei der Messung des Outcomes nach Trauma erforderlich, das bereits vom Großteil der Register erhoben wird. Ein wichtiger Parameter jenseits der Sterblichkeit ist hierbei die Lebensqualität nach Trauma (LQ), die zurzeit mittels „Patient Reported Outcomes“ (PROs) vom deutschen TraumaRegister DGU® im Rahmen einer Pilotphase getestet wird. Um auch hier eine Vergleichbarkeit zwischen den Registern zu ermöglichen, ist eine passende und gegebenenfalls einheitliche Wahl des LQ-Instruments sowie des Zeitpunkts der Erhebung unabdinglich.

Vertiefende Workshops adressierten den Nutzen und die mögliche Richtung künftiger Kooperationen und Entwicklungen in der Traumaforschung. Gemeinsam wurden Ideen und Strategien zur Zusammenarbeit bei Datenauswertung, Outcome-Messung und Register-Management entwickelt.

So wäre es sinnvoll, sich auf einen gemeinsamen Kern-Datensatz, ähnliche Einschlusskriterien und einheitliche Kriterien zur Bewertung des „Outcomes“ zu einigen und gemeinsam zu definieren, welche Fragen die Register beantworten können sollen. Auch gegenseitige Unterstützung und Erfahrungsaustausch bei der Ergebnisdarstellung wäre hilfreich.

Ein erklärtes Ziel aller Register ist die beständige Arbeit an der Optimierung der Datenqualität, aber auch die Überwindung gemeinsamer Hürden, wie etwa den Umgang mit der Datenschutzproblematik, die alle europäische Register je nach landestypischer Gesetzgebung in unterschiedlicher Art und Weise betrifft. Hier wurde von allen eine gesetzliche Regulierung auf nationaler Ebene befürwortet.

Gemeinsamer Ausblick

Trauma ist eine der Hauptursachen für bleibende Behinderungen. Daher möchten sich die Register über eine gute Traumaversorgung hinaus, ebenso für Prävention und Rückführung zurück ins Alltagsleben stark machen. So soll der Fokus künftig mehr auf das Outcome des Patienten anstatt allein auf die Mortalität gelegt werden und eher die verschiedenen Traumasysteme als Ganzes betrachtet werden, anstatt lediglich die einzelnen Krankenhäuser. Auch sollen vermehrt digitale Lösungen bei der Weiterentwicklung der Register in Betracht gezogen werden.

Die Veranstaltung schloss mit dem erklärten Ziel, die internationale Kooperation künftig zu intensivieren und kann so als ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zu einem verstärkten Miteinander gewertet werden.